Was hat der Klimawandel mit ZeroWaste zu tun?

Was hat der Klimawandel mit ZeroWaste zu tun?

Erster Blick: Idylle in den Bergen.

Auf den Zweiten Blick erblickt man einen Gletscher, der durch die Auswirkungen des Klimawandels stetig geschrumpft ist.

Das Foto stammt von einer Wanderung 2015 mit meiner Familie. Heute habe ich mich wieder daran erinnert, weil mich ein Thema gerade extrem beschäftigt: der Klimawandel. Generell ist mir der Begriff nicht neu, da ich vor allem im Studium bereits viel über das Phänomen des Mensch-gemachten Klimawandels lernen konnte. In den letzten Wochen wird mir aber immer deutlicher bewusst, dass der Klimawandel für viele Menschen, trotz der wissenschaftlichen Debatte seit bald 50 Jahren, diesen als nicht greifbar oder drängend empfinden. Folgend auf die letzten Wetterunruhen, Feuer in den europäischen Nordländern bis hin zum Arktischen Kreis, Starkregenfällen, Hitzewelle und Gewitter in Österreich, sowie der Tatsache, dass wir laut dem Global Footprint Network dieses Jahr bereits am 1. August die Ressourcen dieser Erde für dieses Jahr aufgebraucht haben, habe ich mich gefragt, ob ZeroWaste auch ein Hebel bezüglich dem Klimawandel sein kann. Selbst mit ZeroWaste zu beginnen, erschien mir zu Anfang jedenfalls ein guter Ansatzpunkt, um meine Ideale bezüglich Umweltschutz und Nachhaltigkeit in die Tat umzusetzen. Aber wie wirkt sich ZeroWaste in Bezug auf den Klimawandel wirklich aus?

Zuerst möchte ich einen Versuch starten, den Klimawandel greifbar zu erklären:

Gleich vorweg Klima ist nicht gleich Wetter! Das Klima sind langfristige Gegebenheiten und wird von verschiedenen Komponenten (Atmosphäre – Luft, Hydrosphäre – Wasser, Lithosphäre – Erde, Biosphäre – Lebewesen und Pflanzen, Kryosphäre – Eisflächen) beeinflusst. Durch die langen Zeiträume ist die Wahrnehmung der Veränderung für den Menschen so schwierig und subtil. Derzeit ist die Situation vergleichbar mit einem Frosch, der langsam im Topf gekocht wird… Wir sitzen im wärmer werdenden Wasser und merken gar nicht, was mit uns passiert, bis es zu spät ist und wir tot und gekocht sind. Das Wetter ist hingegen die tägliche oder wöchentliche Situation und damit kurzfristig und erlebbar (Regen, Sonne, Sturm etc.).

Klimawandel und klimatische Veränderungen hat es auch früher schon gegeben. Allerdings steigt die Temperatur auf der Erde seit dem Beginn der Industriellen Revolution im späten 19. Jhd. schneller als jemals zuvor. Dies lässt sich auf den Einfluss des Menschen zurückführen und wird deswegen anthropogener Klimawandel genannt. 97% aller Klimaforscher*Innen bestätigen das. Hauptursache sind die stark angestiegenen Ausstöße von Treibhausgasen. Hier sind vor allem die Gase Methan, Lachgas und Kohlendioxid (CO2) zu nennen. Was der Treibhausgaseffekt genauer ist, könnt ihr hier nachlesen. Wird nicht entgegengesteuert, spricht man mittlerweile von einem Temperaturanstieg von 5 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts. In Österreich steigt die Temperatur aufgrund des Klimawandels und unserer speziellen geographischen Lage übrigens schneller an als in anderen europäischen Ländern!

Ein so gravierender Anstieg der globalen Temperatur hätte verheerende Auswirkungen. Ein Anstieg des Meeresspiegels und Überflutungen zahlreicher Küstenstädte und Regionen (z.B. Florida, New York oder Amsterdam), extremere Unwetter, Waldbrände, der Amazonas als Savanne, Ernteausfälle und Dürren sind nur einige Probleme, vor denen wir stehen werden. Warum bisher so wenig dagegen unternommen wurde, fasst ein Spiegel Artikel gut zusammen.

Hat nun das Thema ZeroWaste auch etwas damit zu tun bzw. kann ZeroWaste eine Möglichkeit sein, dem Klimawandel etwas entgegen zu halten?

Laut einigen Seiten und Studien, die ich in meiner Recherche gefunden habe: JA!

Kurz gesagt setzt das Konzept ZeroWaste als ein ganzheitliches System an mehreren Punkten des Produktlebenszyklus an. Einerseits versucht man bei ZeroWaste Konsum zu vermeiden und andererseits Ressourcen durch den Verzicht auf neue Produkte und Verpackungen zu sparen. Wenn weniger produziert wird, werden auch weniger Energie und Ressourcen verbraucht und damit weniger Treibhausgase ausgestoßen. Den Transport der produzierten Güter darf man hier übrigens auch nicht vergessen.

Andererseits setzt man mit dem Konzept auch am Ende des Produktlebenszyklus an und versucht Produkte zu recyceln, zu reparieren und wiederzuverwenden, was ebenfalls Ressourcen und Energie spart. Laut einer amerikanischen Studie könnte durch die Reduktion des globalen Abfalls, bezogen auf das Niveau von 1990, 11.6 Mio. Tonnen von CO2-Äquivalenten Treibhausgasen eingespart werden. Es ist also wichtig, den gesamten Produktlebenszyklus zu betrachten und auch Unternehmen sollten sich hiermit verstärkt beschäftigen. Ein Fokus sollte hier meiner Meinung nach vor allem auf der umweltfreundlichen Entsorgung, Reparaturfähigkeit und Langlebigkeit liegen. Auch vorhandene Materialien sollten für neue Produkte häufiger in Betracht gezogen werden. Denn Emissionen von Treibhausgasen sind bei recyceltem Glas, Papier, Stahl und Kupfer 4-5 Mal, bei Aluminium sogar 40 Mal niedriger, als bei ihren neugewonnenen Kolleginnen. Ein anderer Aspekt sind z.B. Bäume, die aufgrund von recyceltem Papier und anderen Produkten aus dem Material Holz, nicht gefällt werden und so weiterhin CO2 speichern können.

Durch die Vermeidung von Abfall, landen außerdem weniger Materialien in Deponien und Müllverbrennungen, die maßgeblich zum Ausstoß von Methan und Treibhausgasen beitragen. Genauer gesagt stammen 36 Prozent, der vom Mensch verursachten Methan-Ausstöße, von Deponien. Vor allem biogene Materialien, also Speisereste, Schalen, Kaffeesud etc., sind hier besonders zu vermeiden und im Sinne der 5 Rs zu kompostieren. Kompost ist nämlich eine wertvolles Gut für die Fruchtbarkeit unserer Böden und die Rückführung von Nährstoffen. Zusätzlich speichert der Boden 3 Mal mehr CO2 als Pflanzen. Auch in einer Stadtwohnung ist es mit einer sogenannten Wurmkiste möglich biogenen Abfall zu kompostieren.

Ein weiteres Problem, das unser Abfall verursacht, findet sich in unseren Meeren. Und in diesem Fall spreche ich hier gar nicht von der direkten Verschmutzung und Beeinträchtigung der Lebewesen dort, sondern davon, dass die vielen Fremdstoffe und Chemikalien bei der Erwärmung der Ozeane eine Rolle spielen können. Unsere Meere, eine besonders große Hydrosphäre, sind aber essentiell für unser Klima und eine Störung dieses Ökosystems trägt ebenfalls zum Klimawandel bei (siehe oben).

Zusammenfassend braucht es für die Produktion einer Plastikverpackung zum Beispiel erst einmal Ölressourcen, um das Plastik herzustellen. Dieses wird zu einer Fabrik transportiert und dort verarbeitet, was Energie benötigt, um dann mit einem Transportmittel zu einer anderen Fabrik gebracht zu werden, wo es als Verpackungsmaterial zum Einsatz kommt. Dann packen wir das Produkt aus und die Plastikhülle wandert in den Müll, wird dann verbrannt, ins Meer gespült oder landet in einer Deponie… Oft vergessen wir, dass auch die Verpackung, so wie das Produkt selbst, das es schützen soll, Ressourcen, Energie, Kapital und Arbeit verbraucht hat, um überhaupt zu existieren. Indem man den Fokus bei ZeroWaste auf den Abfall legt, dabei aber viele andere Aspekte mitberücksichtigt, vermeidet man also Treibhausgase und trägt zur Entschleunigung des Klimawandels bei.

Und deswegen lasst uns Frösche sein, die noch rechtzeitig aus dem Wasser springen und ganz laut Stopp rufen! Lasst uns nicht den Mut verlieren und uns zusammenschließen, gegenseitig bestärken und weiterhin austauschen. Es gibt Lösungen, sowohl technische als auch ökonomische und ökologische, um den Klimawandel aufzuhalten. Eine davon ist ZeroWaste. Weitere tolle Lösungen und Ansätze finden sich zum Beispiel in Filmen wie „Tomorrow„. Sonst könnte man sich bei einer Organisation engagieren, die sich entweder gegen den Klimawandel oder für Anpassungsmaßnahmen einsetztet. Eine ganz tolle Organisation möchte ich hier nennen: „System Change – Not Climate Change“. Wichtig ist meiner Meinung jetzt, dass wir Verantwortung im Privaten übernehmen, aber auch der Politik klarmachen, dass der Klimawandel Thema Nummer 1 auf der Agenda sein muss! Und auch Unternehmen können mit klugen und nachhaltigen Produktdesigns ihren Beitrag leisten.

In diesem Sinne „Think Global, act Local“ – Denkt global, handelt lokal! – Patrick Geddes

und lasst uns aufstehen!

 

Eure Marolena 🙂

 

Foto: © Peter Beringer, Gletscheransicht Hohe Tauern

 


*Disclaimer: verlinkte Seiten – nicht gesponsert

Quellen:

Bill Sheehan: http://www.grrn.org/page/zero-waste-and-climate-change

Ecocycle: http://www.ecocycle.org/zerowaste/climate und http://www.ecocyclesolutionshub.org/about-zero-waste/climate-change/

GBCI: http://www.gbci.org/zero-waste-forgotten-climate-change-mitigation-tactic

Global Footprint Network: https://www.footprintnetwork.org/

Herbert Formayer, Lukas Clementschitsch, Michael Hofstätter, Helga Kromp-Kolb: „Vor Sicht Klima!“: https://meteo.boku.ac.at/report/BOKU-Met_Report_16_online.pdf

ZAMG: https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimaforschung/wetter-und-klima

Zerowaste Institute: http://zerowasteinstitute.org/?page_id=1867

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