Schlagwort: Nachhaltigkeit

Inspirierende Bücher für den Sommer

Inspirierende Bücher für den Sommer

Wie ich euch in diesem Beitrag bereits erzählt habe, lese ich unglaublich gerne. Da der Sommer da ist und viele von Euch nun sicher wieder mehr Zeit zum Lesen haben (vielleicht ja auch in Zügen unterwegs zu fernen Ländern), möchte ich euch gerne meine Lieblings- und inspirierende Bücher mit viel Wissenswertem vorstellen. Einige der Wörter, Sätze und Seiten haben mich nachhaltig beeinflusst und vielleicht berühren Euch ja auch ein paar davon. Mehr Inspirationsquellen findet ihr auch hier!

Jorge Bucay – Komm ich erzähl dir eine Geschichte

Dieses Buch ist eines meiner absoluten Lieblinge, da durch märchenhafte Erzählungen wie aus Tausend und einer Nacht unterschiedliche Themen bearbeitet werden. Es geht um Freiheit, Konsum, was uns im Leben wirklich wichtig ist, Liebe und Beziehung. Meine Lieblingsgeschichte darin handelt zum Beispiel von einem König, der einen besonders glücklichen Diener hat. Er möchte gerne wissen, warum dieser so erfüllt ist, obwohl er doch nur ein Diener und nicht reich ist. Der Wesir des Königs bietet an, ihm zu zeigen, warum. Der Preis dafür ist das Glück des Dieners. Der König und der Wesir legen dem Diener einen Sack voll Gold auf die Türschwelle. Als der Diener das Gold findet ist er überglücklich und fängt an das Gold zu Zehnerstapeln aufzutürmen. Doch dem letzten Stapel geht eine Münze ab. Es sind also nur 99 Goldmünzen. Der Diener fängt an zu berechnen, wie lang er arbeiten muss, um die letzte Münze zu bekommen…
Wie es weitergeht möchte ich nicht vorweg nehmen, ihr könnt mir gerne schreiben, wenn ihr das Ende wissen wollt!  

Cover „Komm ich erzähl´dir eine Geschichte“ – Foto (c) Elena Beringer

Jonathan Safran – Tiere Essen

Zusätzlich zu den Filmen „Cowspiracy“ und „What the Health“ war diese Buch für mich der Auslöser endgültig auf Fleisch verzichten zu wollen. Safran beschreibt hier anschaulich und mit vielen Fakten gespickt die Situation der heutigen Massenproduktion von Tieren und das damit verbundene Leid. Dieses Buch muss man heutzutage meiner Meinung nach gelesen haben! Es ist einfach ein Klassiker der Umwelt- und Veganliteratur!

Cover „Tiere Essen“ – Foto (c) Elena Beringer

Catherine Clement – Theos Reise

Als Teenagerin haben mich die Weltreligionen stark beschäftigt. Vor allem in der Zeit als ich noch nicht sicher war, ob ich mich in der katholischen Kirche firmen lassen möchte oder nicht. Ich habe es letztendlich bleiben gelassen…

In „Theos Reise“ wird man selbst auf eine Reise durch die Welt und die vielfältigen Religionen mitgenommen. Durch die leicht verständliche Sprache habe ich hier zum ersten Mal die unterschiedlichen und doch sehr ähnlichen Haltungen der Weltreligionen verstanden. Besonders im Kopf geblieben ist mir dabei die muslimische Welt und die unterschiedlichen religiösen Richtungen und deren Ursprünge, die durch Theos Augen erstmals Sinn ergeben haben.

Cover „Theos Reise“ – Foto (c) Elena Beringer

Daniel Quinn – Ismael

Dieses Buch ist ein absolutes Muss! Durch ein Zwiegespräch von Ismael und seinem Schüler wird die Menschheitsgeschichte neu aufgerollt und unsere gesellschaftlichen Werte diskutiert und klar aufbereitet. Die Umweltzerstörung, unser industrielles, konsumorietiertes System und damit verbundene Verhaltensweisen und deren Ursprung stehen im Zentrum. Es ist ein Roman, der so stark zum Denken anregt, dass ich ihn, nur wenige Jahre nach dem ersten Mal lesen, unbedingt wieder lesen will. Ich bin mir sicher, dass jede*r andere Weisheiten hieraus ziehen kann und sag euch einfach nur: lasst euch auf die Geschichte ein und ihr werdet zu einigen spannenden Erkenntnissen kommen!

Cover „Ismael“ – Foto (c) Elena Beringer

Khalil Gibran – Der Prophet

In kurzen Texten zu den vielfältigsten Themen eines menschlichen Lebens finden sich in diesem Buch von Khalil Gibran eine Weisheit nach der anderen. Der Protagonist, der Prophet, spricht zu dem Volk, bevor er sich auf eine Reise begibt, und teilt dabei seine Gedanken. Dieses Buch hat mich extrem berührt, da darin so viele wunderschöne und positive Gedanken enthalten sind. Dieses Buch bringt vieles auf den Punkt und regt in beeindruckender Klarheit Emotionen und Gedanken an.

Jessa Crispin – Warum ich keine Feministin bin

Seit letztem Jahr habe ich vermehrt das Bedürfnis mich wirklich fundiert mit dem Thema Feminismus auseinanderzusetzten. Dieses Buch hat mein Grundwissen mit neuen Ideen zum Feminismus erweitert. Viele Gedanken, die ich zum Feminismus bisher auch hatte, wie „der neue Feminsimus ist nicht radikal genug“ oder „braucht es Feminismus überhaupt noch?“, werden angesprochen. Natürlich ist der Text von den Ansichten der Autorin gefärbt, er regt aber jedenfalls zum Nachdenken an und hat meinen Horizont definitiv erweitert.

Lina Jachmann – Einfach leben

Die Sammlung von Geschichten von Menschen, die versuchen einfacher, nachhaltiger und minimalistischer zu leben, ist ein gutes Beispiel für ein Buch, das neue Wege aufzeigt, wie das Leben nach einer Transformation unseres derzeitigen Systems ausschauen kann. Besonders spannend fand ich die Menschen, die mit extrem wenig Besitz auskommen und dadurch andere Werte wieder wichtiger werden. Schön finde ich hier auch die gesammelten Anregungen für das eigene Leben, DIYs und die wirklich schön gestalteten Photographien.

Brené Brown – Verletzlichkeit macht stark

Obwohl ihr erstes Buch „Die Gaben der Unvollkommenheit“ Schritte hin zu mehr Verletzlichkeit liebevoll und mit vielen Beispielen aufbereitet, hat mir ihr zweites Buch noch etwas besser gefallen. Vielleicht lag dies auch an dem Zeitpunkt zu dem ich dieses Werk gelesen habe. Ich habe anhand des Buches einige persönliche Themen vor allem im Zusammenhang mit romantischen Beziehungen für mich bearbeitet. Besonders schön finde ich an der ganzen Arbeit von Brené Brown, dass Verletzlichkeit ein essentieller Baustein für eine liebevolle und empathische Gesellschaft sein kann und sie dieses Thema aus wissenschaftlicher als auch persönlicher Perspektive gekonnt bearbeitet. Wer noch nie von Brené Brown gehört hat, kann sich zum Einstieg auch ihren Ted-Talk anschauen!

Cover „Verletzlichkeit macht stark“ – Foto (c) Elena Beringer

Erich Fromm – Haben oder Sein

Das philosophische Werk von Erich Fromm ist für mich vor allem deswegen so spannend, weil es Ideen andenkt, die auch heute noch hochaktuell sind. Fromm diskutiert was wir im Leben brauchen, was ein gutes Leben ausmacht und warum unsere Gesellschaft so auf das „Haben“ ausgelegt ist und bietet damit vielerlei Gedankengänge, die auch für die heutigen Diskussionen hilfreich sein können.

Cover „Haben oder Sein“ – (c) Elena Beringer

Georg Milzner – Wir sind überall nur nicht bei uns

Ein Buch über Achtsamkeit und wie die heutige Gesellschaft uns in unserer Wahrnehmung prägt. Der Autor teilt hier Gedanken, was dies mit unserem Wohlbefinden und Beziehungen macht. Für mich war das Buch ein Spannendes zur eigenen Reflexion meines Handelns und Denkens.

Cover von „Wir sind überall nur nicht bei uns“ – Foto (C) Elena Beringer

Elena Favilli und Francesca Cavallo – Good Night Stories for Rebel Girls

Dieses wunderschöne Gute-Nacht-Geschichten Buch präsentiert 100 außergewöhnliche Frauenvorbilder auf je zwei Seiten. Zahlreiche Künstlerinnen ergänzen die kurzen Texte mit kunstvollen Illustrationen. Ich lese wirklich gerne immer wieder in diesem Buch, da die Geschichten endlich Frauenwege zeigen, die vielseitiger, mutiger, kreativer, turbulenter, beeindruckender nicht sein könnten. So viel Inspiration, die vor allem für Mädchen eine gute Alternative zu den Prinzessinnen-Märchen sein kann! Meine Lieblingsfrauen aus den Büchern kannte ich davor nicht. Passenderweise sind beide rothaarige Piratinnen. Vielleicht war ich in einem früheren Leben ja auch mal Piratin 😀 !

Cover „Good Night Stories for Rebel Girls“ – Foto (c) Elena Beringer

Ann-Marlene Henning und Tina Bremer-Olszewski – Make Love

Aufklärung in Sachen Sexualität habe ich bereits schon sehr früh durch ein anderes tolles Buch, das ich von meiner Mama bekommen habe, erfahren. Dieses Aufklärungsbuch bereitet das Thema aber nochmal passend für Jugendliche und Erwachsene unaufgeregt und anschaulich auf. Besonders gefallen mir die zahlreichen Grafiken zu Themen wie Verhütung, ab wann darf man in welchen Ländern Sex haben, heiraten etc. oder zu Schwangerschaft. Toll finde ich auch die Fotos von den unterschiedlichsten, echten Paaren (auch queere Paare sind abgebildet). Es wird ein realistisches Bild von Sexualität vermittelt. Sehr zu empfehlen!

Buchtitel Make Love – Foto (c) Elena Beringer

Bea Johnson – Zero Waste Home

Die „Bibel“ für alle ZeroWaster*innen – auf zahlreichen Seiten erzählt die Pionierin in Sachen ZeroWaste Bea Johnson von ihren Erfahrungen, teilt Rezepte für fast alles, was man brauchen könnte und beschreibt Schritt für Schritt wie man ZeroWaste im Privaten umsetzten kann. Ich verwende das Buch sehr gerne als Nachschlagewerk und es hat mir mit vielen Anregungen den Einstieg in das Thema massiv erleichtert. Die 5 R´s, die ich auch in meinem aller ersten Beitrag gelistet habe, stammen zum Beispiel auch von ihr.

Foto (c) Elena Beringer

Ich wünsche Euch ganz Viel Spaß beim Lesen! Schreibt mir doch auch gerne eure Lieblingsbücher in die Kommentare. Auch ich brauche immer wieder neuen Lesestoff 😉

Schönen Sommer,

Eure Marolena 🙂


*Disclaimer: unbezahlte Werbung/Produktnennung und verlinkte Seiten

Mein umweltfreundlicher Umzug und eine Wohnungsauflösung

Mein umweltfreundlicher Umzug und eine Wohnungsauflösung

Wenn ihr in den letzten Wochen meinen Instagram Account mit Argusaugen beobachtet habt, wisst ihr, dass ich ab Juli ein Praktikum im Norden Deutschlands mache und deswegen meine Wohnung in Wien gekündigt und komplett aufgelöst habe. Es war mir ein besonderes Anliegen dies günstig und möglichst nachhaltig zu tun. Ich will ehrlich sein, es war ein Aufwand und teilweise extrem anstrengend.

Bereits im März habe ich angefangen auszumisten. Mein Kleiderschrank und meine Büchersammlung sind ziemlich geschrumpft, auch wenn immer noch einige Teile da sind und ich noch lange keine extreme Minimalistin bin. Auch andere Gegenstände mussten gehen. Teller, Möbel, Kleinigkeiten, Papiere, die sich angesammelt haben und sogar einige Erinnerungsstücke. Übrig geblieben sind aber Großteils mir wirklich wichtige und liebgewonnen Dinge, erfüllt von Erinnerungen, Nutzen und Wert.

Übung: Schau dich mal in deinem Zimmer um, in dem du dich gerade befindest und nimm alle Dinge wahr, die dir besonders Freude machen. Vielleicht willst du sie auch berühren. Fühl dich dankbar, dass diese Dinge in deinem Leben sind.

Meine Kleidung habe ich entweder an Freund*innen verschenkt, auf Kleidertauschpartys verteilt oder zur Kleidersammlung gebracht, weil sie einfach niemand haben wollte. Das Verkaufen von Kleidung hat mit der Ausnahme von Halterlosenstrümpfen, die interessanterweise auf „Kleiderkreisel“ extrem nachgefragt waren, hat für mich nicht funktioniert. Auch einige DVDs mussten gehen. Diese und die Bücher habe ich über „Momox“ verkauft oder zu offenen Bücherschränken gebracht. Beide Varianten habe ich euch schon mal in diesem Artikel vorgestellt. Kleinkram und Küchengegenstände habe ich in unserem Haus ins „zu verschenken“-Regal gestellt.

Da die Wohnung, die lange eine WG war und komplett leer übergeben werden musste, war es auch nötig viele Möbel los zu werden. Alle meine Dinge, die ich behalten und nicht mit nach Deutschland nehmen wollte, sollten in einen Keller von einer Freundin passen. Behalten habe ich an Möbeln nur 3 Second-Hand Teile, die besonders hochwertig sind: mein Ikea-Vollholzbett, einen kleinen Beistelltisch noch von meiner Mama und ein Second-Hand Kleiderständer. Viele Möbel haben nicht mal mir gehört, wurden aber von den ehemaligen Mieter*innen oder ehemaligen WG-Kolleginnen in der Wohnung gelassen. Das meiste habe ich über „Willhaben“ verschenkt oder verkauft. Das hat auch finanziell eine Erleichterung gebracht. Zusätzlich habe ich viele Menschen zumindest für ein paar Minuten kennen gelernt. Manche auch beim gemeinsamen Teile-aus-der-Wohnung-tragen. Einige Möbel wurden auch direkt von Freund*innen übernommen, manche Stücke werden vorerst mal babygesittet.

Babygesittet werden von einer meiner besten Freundinnen auch alle meine Pflanzen. Die freundschaftliche Unterstützung durch das Betreuen von Sachen, Helfen beim Umzug, Abbau von Möbeln oder moralische Unterstützung beim Loslösen-Prozess, waren essentiell für den erfolgreichen Auszug.

Pflanzen werden gesittet und mit dem Auto weggebracht

Einiges was ich für den Umzug gebraucht habe (einen großen Koffer, manches Werkzeug, Umzugskartons, Spachtelmasse) habe ich gebraucht bekommen, aber ich muss auch ehrlich sagen, dass ich ein paar Kleinigkeiten neu besorgt habe. Weiße Farbe für Ausbesserungsarbeiten, ein paar Werkzeuge für Reparaturen und Material für kleine Renovierungsarbeiten, die letztendlich nicht notwendig waren (aber das war damals noch nicht absehbar) sowie einige neue Umzugskartons und dichte Kisten für Kleidung habe ich neu besorgt.

Ich habe beim Werkeln auch erkannt, dass mir das Streichen, Spachteln, zusammen- und auseinanderbauen und Handwerken besonders Spaß macht. Ich werde versuchen, diese Leidenschaft in Zukunft mehr in mein Leben einzubauen.

Reduziert habe ich Ressourcentechnisch auch Transportkilometer mit dem Auto. Bis auf den tatsächlichen Umzug der Kisten und Möbel in den Keller mit dem Auto einer Freundin und meine Fahrt zum Bahnhof mit dem großen Koffer, habe ich alle Besorgungen und Weg-Bring-Wege von zum Beispiel den Büchern mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erledigt. Das war zum Teil körperlich extrem anstrengend, hat mir aber auch gezeigt, dass ich das gut schaffen kann und man mit etwas Geduld und Ruhe auch sperrige Gegenstände so von Ort zu Ort bringen kann. Den Weg nach Deutschland habe ich mit einem Zwischenstopp in meiner Heimat Salzburg mit dem Zug zurück gelegt und dabei viel Zeit zum Lesen, Arbeiten und Musik hören gefunden. Mehr Gründe fürs Zugfahren findet ihr übrigens auch in diesem Beitrag!

Letzte Sachen zu Fuß und mit den Öffis übersiedeln

Was ich jedenfalls bei dem Auszug bemerkt habe, ist, dass ich immer noch sehr viele Gegenstände besitze und mich glücklich schätzen kann, dass so viele tolle Menschen in meinem Umfeld habe, die mit Tat und Rat zur Seite stehen. Spannend war es auch die unterschiedlichen Menschen kennen zu lernen, die meine Möbel abgeholt haben. Bewusst geworden ist mir auch die große Verantwortung, die man mit einer Hauptmiete übernimmt und dass damit auch manchmal herausfordernde Situationen (zum Beispiel mit der Hausverwaltung) auf einen warten. Das Loslassen von dieser Verpflichtung ist auch etwas, das ausschlaggebend für die Kündigung (anstatt einer Untermiete) der Wohnung war. Sich von einer Wohnung, einem Zuhause, von Dingen, einer Stadt und den Menschen dort zu lösen, war aber zum Ende hin auch nicht so einfach und hat eine sentimentale Stimmung in mir ausgelöst. Das Vertrauen, das alle mir wichtigen Personen auch weiterhin da sind und meine mir wertvollen Gegenstände bei meiner Rückkehr noch da sind, ist etwas, das ich mir gerade noch sehr bewusst in Erinnerung rufen muss.

Letzte Tage in Wien im Türkenschanzpark (c) Alexander Petschnig

Bist du schon mal selbstständig übersiedelt? Wie hast du damals versucht, diesen möglichst umweltfreundlich zu bewältigen? Schreibt mir eure Erfahrungen und Gedanken gerne in die Kommentare!

Alles Liebe,

Eure Marolena 🙂


Titelbild: (c) Nicole Mimra

Zugfahrn‘ ist des Reisens Lust

Zugfahrn‘ ist des Reisens Lust

In letzter Zeit bin ich aufgrund einiger Besuche in meiner Heimatstadt Salzburg vermehrt Zug gefahren und dabei sind mir wieder einige Gründe für Zugfahren bewusstgeworden. Denn Zugfahren ist nicht nur viel umweltschonender als eine Reise mit dem Auto oder Flugzeug anzutreten, sondern birgt auch einige andere Vorteile!

Langsamkeit und Pause machen

Immer wenn ich im Zug sitze, nehme ich mir einiges an Arbeit oder Lesematerial für die Fahrtzeit vor, verbringe die Stunden dann aber doch meistens mit dem Blick aus dem Fenster und dem Gedanken schweifen lassen. Schön finde ich auch, dass ich so neue Landschaften und die Veränderung der Natur auf meiner Reise beobachten kann. Ich genieße diese Pause, das Nichtstun immer sehr und komme so auch angenehmer an dem neuen Ort an, da ich den Wechsel wirklich gespürt habe und die Distanz tatsächlich greifbar ist.

Als ich das letzte Mal geflogen bin, bin ich eine Woche wie ein Zombie durch die Stadt gewandert, da mir der Ortswechsel viel zu schnell war und ich einfach nicht geistig rasch genug nachreisen konnte. Auf der Reise von Riga nach Wien ist meine Seele irgendwo hängengeblieben und ist wahrscheinlich zu Fuß nach Wien nachgereist ;).

Fahrtzeit als Arbeitszeit nutzen

Im Gegensatz zu unzähligen Kontrollen, Wartezeiten, Ortswechseln im Flughafen und Anspannung beim Fliegen, kann ich die Zeit im Zug tatsächlich voll und ganz nutzen. Wenn ich doch mal nicht aus dem Fenster schaue, kann ich mich im Zug konzentriert und effizient die ganze Reisezeit der Arbeit, dem Lernen für eine Prüfung oder anderen Tätigkeiten widmen. Im Zug arbeite ich einfach kontinuierlicher. Außerdem gibt es oft W-Lan, das hilft beim produktiv sein!

Bücher, Zeitung, Podcasts, Filme schauen

Und wenn ich dann mal keine Lust auf Arbeit habe, eignet sich so eine längere Zugfahrt auch super sich ausgiebig in ein gutes Buch zu vertiefen oder Zeitung zu lesen. Auf meinen letzten Fahrten hab’ ich dabei wirklich einige Seiten verschlungen. So richtig viel Zeit zum Lesen nehme ich mir im Alltag nämlich immer seltener. Umso mehr genieße ich dann den Fokus auf eine Tätigkeit. Toll finde ich hier auch Podcasts oder Hörbücher. Da kann ich dann das „Fensterkino“ gleich damit kombinieren. Bei Zugfahrten am Abend, wenn es schon recht dunkel ist, finde ich auch Serien oder Filme anschauen eine feine Möglichkeit, meine Zeit unterwegs zu verbringen.

Zugfahrt nach Salzburg mit Zeitung

Bewegungsfreiheit

Was ich im Zug im Gegensatz zu Auto, Bus oder Flugzeug auch toll finde, ist, dass man zwischendurch immer wieder mal durch den Zug spazieren gehen kann und den Körper nicht die ganze Zeit in einer Position halten muss.

Über Nacht fahren

Für lange Reise gefällt mir die Möglichkeit der Schlafwagons besonders gut. So steige ich zu Hause in den Zug ein, kann mich über die Nacht ausrasten und komme frisch (meistens) und munter an einem neuen Ort an. So kann man diesen dann auch gleich erkunden gehen.

Wie schaut es hier bei Euch aus? Fahrt ihr lieber Zug, mit dem Bus, dem Auto oder fliegt ihr gerne?

Ich wünsch Euch eine gute nächste nachhaltige Reise!

Eure Marolena 🙂


Titelbild: © Nicole Mimra

Mit voller Vorstellungskraft voraus in eine nachhaltigere Welt

Mit voller Vorstellungskraft voraus in eine nachhaltigere Welt

Vor zwei Wochen war ich bei einem faszinierenden Vortrag mit anschließendem Workshop von Rob Hopkins. Das Thema war der Wandel zu einer nachhaltigeren Welt und wie wir den Weg dorthin beschreiten können.

Rob Hopkins ist Gründer des Transition Netzwerks. 2005 startete er mit einigen seiner Studierenden die Bewegung, die zuerst als die Transition Town Bewegung bekannt wurde. Transition Towns sind Städte, die sich partizipativ, zusammen mit der Gemeinschaft und der politischen Gemeinde zusammenschließen und Projekte unterschiedlichster Art umsetzen. Ziel ist es frei von fossilen Energieträgern zu leben, wieder lokaler zu produzieren und zu konsumieren und die regionale Wirtschaft und die Menschen vor Ort zu stärken. Das Miteinander steht im Mittelpunkt. Sich in der Nachbarschaft kennen lernen, das Gefühl haben wirklich eine Veränderung zu bewirken, neue Fertigkeiten lernen und die großen Herausforderungen (Klimawandel, soziale Ungleichheit, ökonomische Probleme etc.) anpacken, sind nur ein paar der Gründe, warum sich Transition Towns gründen. Mittlerweile gibt es weltweit in über 50 Ländern Transition Initiativen.

In seinem Vortrag am Sonntag den 31.3.2019 gehostet von Global2000 und organisiert vom RCE Vienna der WU Wien beschreibt Hopkins aber noch viel mehr als die Transition Town Bewegung. Er stellt insgesamt 9 Fragen, mit denen er die Vorstellungskraft von uns Menschen beflügeln und ein Bild von einer positiven Zukunft malen will. Da ich selbst in den letzten Jahren immer pessimistischer, aufgrund aktueller Ereignisse, politischer Rahmenbedingungen und Meldungen aus meinem Umfeld, geworden bin, berühren mich Rob Hopkins Worte ganz besonders. Immer wieder bekomme ich Tränen in den Augen, weil das Bild, das er zeichnet, so beeindruckend und erstrebenswert wirkt. Er spricht aus einer ganz anderen Perspektive, als das sonst sehr häufig in der Umweltdebatte der Fall ist. Bedrohliche Szenarien, Artensterben und Menschenleid weichen der Vorstellung von gemeinschaftlichen Räumen, mehr Natur, mehr Freiheit, mehr Lebensqualität und musikalischen, achtsamen und kreativen Menschen, die mit ihrer Umwelt in Einklang leben. Die Herangehensweise fasziniert mich! Nicht mehr zu fragen „was ist?“, sondern „was wäre wenn…?“ Die wichtigste Frage für mich aus dem Vortrag ist: „Was wäre, wenn sich alles zum Guten entwickelt?“ Der Ansatz andere Geschichten und Bilder zu erzählen, wenn wir über die Klimakrise und Umweltthemen sprechen, verändert auch die Wahrnehmung von uns Menschen und löst anstatt Stress das Gefühl aus, sich doch wieder etwas Angenehmes und Positives vorstellen zu können. Ich versuche mir mittlerweile mehr und mehr dieser Geschichten in mein Leben zu holen und würde mich auch freuen, wenn wir uns mehr zu positiven Beispielen zum Umgang mit dem Klimawandel, sozialer Ungleichheit oder ökonomischen Schwierigkeiten austauschen!

Rob Hopkins identifiziert für den Wandel einige wichtige Elemente wie einen spielerischen Zugang und generell mehr Spiel in unserem Leben, die Idee Vorstellungskraft als essentiell für unsere Handlungen zu sehen, diese auch in Schulen zu lehren und Politiker*innen zu haben, die die Kultivierung von Imagination priorisieren, mehr Zeit in der Natur zu verbringen und bessere Fragen zu stellen. Die Leichtigkeit, Kreativität und Flexbibilität in diesem Ansatz ist im Vortrag spürbar.

In dem anschließenden Workshop zeigt uns Rob Hopkins die Möglichkeiten der Vorstellungskraft gekonnt auf. Wir sollen alle die Augen schließen und uns eine Tür vorstellen. Diese Tür beginnt zu leuchten und wir machen einen Schritt nach vorne und treten durch die Tür in die Zukunft. Wie fühlt es sich dort an? Was sehen wir? Wie riecht es dort? Wer ist dort? Was können wir hören? Über unsere Sinne beschreiben unterschiedliche Teilnehmer*innen Eindrücke, die sie durch die Imagination sammeln konnten. Die Augen bleiben geschlossen und die Worte ergänzen das eigene Bild. Es riecht nach frisch geschnittenem Gras, die Vögel zwitschern, jemand kocht auf der Straße Chili für alle in der Nachbarschaft, Fahrräder bevölkern die Straßen, Kinder spielen zwischen Bäumen in der Stadt, die Luft ist angenehm zum Atmen, jemand macht Musik, die Energie kommt von der Sonne und anderen erneuerbaren Energieträgern, Lebensmittel werden in der Stadt angebaut und es gibt keine Autos rundherum, Tiere leben in der Stadt, es fühlt sich angenehm, warm und frei an…

Nachdem wir noch mit geschlossenen Augen Eindrücke geteilt haben, treten wir wieder einen Schritt zurück in die Gegenwart und öffnen diese langsam wieder. Die Gefühle zum Abschluss der Übung sind für mich gemischt. Es bleibt die bunte, lebendige und spielerisch, achtsame Vision aber auch eine Traurigkeit und Sorge, dass ich so eine Welt vielleicht nie erleben werde…

© Pine Watt via Unsplash

Übung: Ich möchte Euch an dieser Stelle einladen, ebenfalls diese stärkende Vorstellungsreise in die Zukunft zu machen. Vielleicht könnt ihr das ja auch mit Freund*innen gemeinsam machen und euch dann dazu austauschen.

Was bei mir in Erinnerung bleibt, ist das Wissen, dass in dem Workshop viele Visionen aufkamen, die manche Orte und Städte bereits umsetzten. Denn es sind keine futuristischen Vorstellungen wie aus Science Fiction Filmen, sondern alltägliche Handlungen und Änderungen, die zum Teil mit wenig Aufwand bereits existieren oder politischen und gesellschaftlichen Willen zur Umsetzung benötigen. Die Lösungen sind also schon da, jetzt ist es Zeit sie zu leben! Das erinnert mich auch an einen besonderen Film über eine nachhaltige Welt „Tomorrow – die Welt ist voller Lösungen“, der vielleicht auch ein paar von Euch inspirieren kann, und daran, dass es weltweit Menschen gibt, die in ihrem Bereich versuchen einen Unterschied zu machen.

Alles Liebe,

Eure Marolena <3


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