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Frauen auf der Straße

Frauen auf der Straße

Frauen, die sich in Obdachlosigkeit befinden, sind oft unsichtbar und wollen diese selbst oft aufgrund von Scham verstecken. Für Frauen, ist ein Leben auf der Straße besonders gefährlich und Frauen sind zum Beispiel in Wien stärker von Armut betroffen als Männer. Viele leben, wenn sie sich eine Wohnung nicht mehr leisten können, deshalb bei Freund*innen oder Verwandten, in temporären Einrichtungen oder zum Beispiel in Frauenhäusern. 2017 wurden in Österreich 21.567 Personen als Wohnungslos registriert (Sozialministerium 2018).

Das sind ein paar der Themen, die bei mir nach dem Spaziergang mit Sandra von Supertramps im Gedächtnis bleiben. Supertramps ist eine Organisation, die Stadtspaziergänge durch Wien mit Odachlosen anbietet und so Berührungsängste abbauen und die Sichtbarkeit dieser Menschen erhöhen will. Nach dem Spaziergang bleiben nach den ehrlichen und offenen Erzählungen von Sandra auch die Erkenntnisse über die vielen Zufälle, Hindernisse und Schicksale, die jemanden in die Obdachlosigkeit bringen können. Gründe für Obdachlosigkeit sind vielfältig, aber häufig, wie auch im Fall von Sandra, ist es der Verlust der Arbeit, Krankheit und dass man die Miete nicht mehr Zahlen kann. Alltägliche Hindernisse, die schnell eskalieren können.

Generell gibt es mehrere Varianten der Obdachlosigkeit:

  • Obdachlosigkeit: wird definiert als Zustand, bei dem man über keine Wohnung verfügt und im Freien oder in Notunterkünften übernachtet.
  • Versteckte Wohnungslosigkeit: Die Personen haben keine eigene Wohnung, da sie bei Freund*innen oder Verwandten unterkommen und/oder schlafen irgendwo auf der Couch. Häufig begeben sich Frauen hier aber auch in eigentlich nicht gewollte Beziehungen, um dort Unterschlupf zu finden. Aufgrund des Aussehens (halbwegs gut gekleidet, nicht schmutzig) wirken diese Personen nicht wohnungslos.
  • Wohnungslosigkeit: „Menschen, die in Einrichtungen wohnen, in denen die Aufenthaltsdauer begrenzt ist und in denen keine Dauerwohnplätze zur Verfügung stehen, wie z.B. Übergangswohnheime, Asyle und Herbergen, aber auch Übergangswohnungen“ (BAWO 2019, s.p.) Dazu zählen auch Frauen und Kinder, die aufgrund von Gewalt, in Schutzeinrichtungen beherbergt sind.
  • Ungesichertes Wohnen: man hat keine eigene Wohnung, kommt aber bei jemand anderem unter; illegale Hausbesetzungen; Menschen, die von einer Delogierung bedroht sind; Menschen, die zu Hause von Gewalt bedroht sind.
  • Ungenügendes Wohnen: Menschen, die in Wohnungen leben, die für ein konventionelles Wohnen nicht geeignet sind (z.B. Gebäude vor dem Abbruch, Wohnwägen, Zelte, Garagen, Keller, Dachböden, überfüllte Räume)
Sandra erzählt von ihrer Kindheit

Sandra erzählt auf dem Spaziergang durch den zweiten Bezirk von Wien von mehreren Stationen ihres Weges und führt durch ein vielseitiges Leben. Ich möchte hier nicht ihre Erlebnisse berichten, da ich der Meinung bin, dass Sandra diese jemandem selbst erzählen sollte. Was aber bleibt ist, der Eindruck einer mutigen, neugierigen, schlagfertigen Frau mit viel Wiener Schmäh´, die ihr eigenes Schicksal als Möglichkeit nimmt, anderen Frauen zu zeigen, dass sie es wieder aus der Obdachlosigkeit herausschaffen können, dass sie etwas erreichen können und dass durch gegenseitige Unterstützung und mit Humor eine Bewältigung von (traumatischen) Erlebnissen möglich ist. Ich habe es als besonders schön empfunden, dass Sandra aufgrund der Arbeit mit Supertramps nun wieder eine Wohnung gefunden hat und sich auch künstlerisch in einem Theater verwirklichen kann. Das Ziel von Supertramps Selbstvertrauen und Ermächtigung zu unterstützten sowie das in der Gesellschaft wieder Fuß fassen von den mitarbeitenden (ehemaligen) obdachlosen Menschen, kann man bei Sandra wunderbar als erfolgreich erkennen. Das Feedback, das Zuhören, Interesse und die Wertschätzung der Tour-Gruppe trägt hier auch zum Selbstwertgefühl und der Sichtbarkeit der Personen bei.

Sandra betont zudem immer wieder ihr Ziel, dass sie mit der Arbeit bei Supertramps einerseits das Thema der Obdachlosigkeit speziell von Frauen sichtbar machen, aber eben auch Frauen Mut machen möchte, immer wieder aufzustehen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Wichtig ist es hier die Scham zu überwinden und sich Hilfe zu holen. Davon gibt es besonders in Städten einige Angebote. Von der Caritas bis zu Frauenhäusern ist Vieles dabei. Hier liegt allerdings auch eine Schwierigkeit, da es so viele soziale Einrichtungen aber keine ausreichende Aufklärung auch für sozial Leistungen gibt. Es fehlt hier an Information, wo man sich am besten hinwenden soll. In Wien gibt es fünf Einrichtungen, die speziell für Frauen gedacht sind. Welche unterschiedlichen sozialen Institutionen es in Wien und Umgebung generell gibt, könnt ihr auch gut über den Wiener Sozial Podcast erforschen, wo in jeder Folge eine Organisation vorgestellt wird.

Besorgniserregend ist aufgrund der stärker armutsgefährdeten und von Gewalt bedrohten Frauen, dass die Regierung Türkis-Blau 2018 erneut Förderungen für Einrichtungen für Frauen, Beratung für Familien und Frauen etc. gestrichen hat. Angesichts dessen, dass Frauen generell mehr in Abhängigkeiten leben und mehr unbezahlte Arbeit leisten (Betreuung und Pflegeaufgaben) ist eine Streichung von Unterstützungen für Frauen im 21 Jhd. ein massiver Rückschritt.

Wenn ihr wie ich diesbezüglich aktiv werden wollt, gibt es meiner Meinung nach viele Möglichkeiten:

  • Sich selbst ein Bild machen, zum Beispiel bei einem Spaziergang mit Supertramps
  • Ehrenamtliche Mitarbeit in einer Einrichtung oder Sach- oder Geldspenden
  • Demonstration gegen die Aktionen der Regierung Türkis-Blau zum Beispiel am 15. Oder 16. März 2019
  • Unterstützung der Menschen aus dem Umfeld, damit diese gar nicht erst in eine ähnliche Situation kommen

Alles Liebe,

Eure Marolena 🙂


Supetramps Tour von Sandra

Header: © Unsplash Andreea Popa

*Disclaimer: ich wurde zur Führung mit Sandra von Supertramps eingeladen, der Beitrag ist aber nicht finanziell gesponsert!

Werbung, weil Links / nicht gesponsert


Weiterführende Links und Quellen:


Hier findet man Einrichtungen für Wohnungslose Menschen: https://www.caritas.at/aktuell/kampagne/armut-in-oesterreich/obdachlosigkeit/

http://www.frauenhelpline.at/

https://www.frauenhaeuser-wien.at/

https://www.wien.gv.at/gesellschaft/obdachlosigkeit/

BAWO 2019: http://www.bawo.at/de/content/wohnungslosigkeit/definitionen.html

http://www.bawo.at/de/content/wohnungslosigkeit/frauen.html

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/183352/umfrage/meinung-zu-den-gruenden-fuer-obdachlosigkeit/

https://wien.orf.at/news/stories/2609589/

https://kontrast.at/frauenorganisationen/

Sozialministerium 2018: https://www.sozialministerium.at/cms/site/attachments/1/6/5/CH3434/CMS1546849856778/eingliederungsindikatoren_2017.pdf