Kategorie: Herz

Inspirierende Bücher für den Sommer

Inspirierende Bücher für den Sommer

Wie ich euch in diesem Beitrag bereits erzählt habe, lese ich unglaublich gerne. Da der Sommer da ist und viele von Euch nun sicher wieder mehr Zeit zum Lesen haben (vielleicht ja auch in Zügen unterwegs zu fernen Ländern), möchte ich euch gerne meine Lieblings- und inspirierende Bücher mit viel Wissenswertem vorstellen. Einige der Wörter, Sätze und Seiten haben mich nachhaltig beeinflusst und vielleicht berühren Euch ja auch ein paar davon. Mehr Inspirationsquellen findet ihr auch hier!

Jorge Bucay – Komm ich erzähl dir eine Geschichte

Dieses Buch ist eines meiner absoluten Lieblinge, da durch märchenhafte Erzählungen wie aus Tausend und einer Nacht unterschiedliche Themen bearbeitet werden. Es geht um Freiheit, Konsum, was uns im Leben wirklich wichtig ist, Liebe und Beziehung. Meine Lieblingsgeschichte darin handelt zum Beispiel von einem König, der einen besonders glücklichen Diener hat. Er möchte gerne wissen, warum dieser so erfüllt ist, obwohl er doch nur ein Diener und nicht reich ist. Der Wesir des Königs bietet an, ihm zu zeigen, warum. Der Preis dafür ist das Glück des Dieners. Der König und der Wesir legen dem Diener einen Sack voll Gold auf die Türschwelle. Als der Diener das Gold findet ist er überglücklich und fängt an das Gold zu Zehnerstapeln aufzutürmen. Doch dem letzten Stapel geht eine Münze ab. Es sind also nur 99 Goldmünzen. Der Diener fängt an zu berechnen, wie lang er arbeiten muss, um die letzte Münze zu bekommen…
Wie es weitergeht möchte ich nicht vorweg nehmen, ihr könnt mir gerne schreiben, wenn ihr das Ende wissen wollt!  

Cover „Komm ich erzähl´dir eine Geschichte“ – Foto (c) Elena Beringer

Jonathan Safran – Tiere Essen

Zusätzlich zu den Filmen „Cowspiracy“ und „What the Health“ war diese Buch für mich der Auslöser endgültig auf Fleisch verzichten zu wollen. Safran beschreibt hier anschaulich und mit vielen Fakten gespickt die Situation der heutigen Massenproduktion von Tieren und das damit verbundene Leid. Dieses Buch muss man heutzutage meiner Meinung nach gelesen haben! Es ist einfach ein Klassiker der Umwelt- und Veganliteratur!

Cover „Tiere Essen“ – Foto (c) Elena Beringer

Catherine Clement – Theos Reise

Als Teenagerin haben mich die Weltreligionen stark beschäftigt. Vor allem in der Zeit als ich noch nicht sicher war, ob ich mich in der katholischen Kirche firmen lassen möchte oder nicht. Ich habe es letztendlich bleiben gelassen…

In „Theos Reise“ wird man selbst auf eine Reise durch die Welt und die vielfältigen Religionen mitgenommen. Durch die leicht verständliche Sprache habe ich hier zum ersten Mal die unterschiedlichen und doch sehr ähnlichen Haltungen der Weltreligionen verstanden. Besonders im Kopf geblieben ist mir dabei die muslimische Welt und die unterschiedlichen religiösen Richtungen und deren Ursprünge, die durch Theos Augen erstmals Sinn ergeben haben.

Cover „Theos Reise“ – Foto (c) Elena Beringer

Daniel Quinn – Ismael

Dieses Buch ist ein absolutes Muss! Durch ein Zwiegespräch von Ismael und seinem Schüler wird die Menschheitsgeschichte neu aufgerollt und unsere gesellschaftlichen Werte diskutiert und klar aufbereitet. Die Umweltzerstörung, unser industrielles, konsumorietiertes System und damit verbundene Verhaltensweisen und deren Ursprung stehen im Zentrum. Es ist ein Roman, der so stark zum Denken anregt, dass ich ihn, nur wenige Jahre nach dem ersten Mal lesen, unbedingt wieder lesen will. Ich bin mir sicher, dass jede*r andere Weisheiten hieraus ziehen kann und sag euch einfach nur: lasst euch auf die Geschichte ein und ihr werdet zu einigen spannenden Erkenntnissen kommen!

Cover „Ismael“ – Foto (c) Elena Beringer

Khalil Gibran – Der Prophet

In kurzen Texten zu den vielfältigsten Themen eines menschlichen Lebens finden sich in diesem Buch von Khalil Gibran eine Weisheit nach der anderen. Der Protagonist, der Prophet, spricht zu dem Volk, bevor er sich auf eine Reise begibt, und teilt dabei seine Gedanken. Dieses Buch hat mich extrem berührt, da darin so viele wunderschöne und positive Gedanken enthalten sind. Dieses Buch bringt vieles auf den Punkt und regt in beeindruckender Klarheit Emotionen und Gedanken an.

Jessa Crispin – Warum ich keine Feministin bin

Seit letztem Jahr habe ich vermehrt das Bedürfnis mich wirklich fundiert mit dem Thema Feminismus auseinanderzusetzten. Dieses Buch hat mein Grundwissen mit neuen Ideen zum Feminismus erweitert. Viele Gedanken, die ich zum Feminismus bisher auch hatte, wie „der neue Feminsimus ist nicht radikal genug“ oder „braucht es Feminismus überhaupt noch?“, werden angesprochen. Natürlich ist der Text von den Ansichten der Autorin gefärbt, er regt aber jedenfalls zum Nachdenken an und hat meinen Horizont definitiv erweitert.

Lina Jachmann – Einfach leben

Die Sammlung von Geschichten von Menschen, die versuchen einfacher, nachhaltiger und minimalistischer zu leben, ist ein gutes Beispiel für ein Buch, das neue Wege aufzeigt, wie das Leben nach einer Transformation unseres derzeitigen Systems ausschauen kann. Besonders spannend fand ich die Menschen, die mit extrem wenig Besitz auskommen und dadurch andere Werte wieder wichtiger werden. Schön finde ich hier auch die gesammelten Anregungen für das eigene Leben, DIYs und die wirklich schön gestalteten Photographien.

Brené Brown – Verletzlichkeit macht stark

Obwohl ihr erstes Buch „Die Gaben der Unvollkommenheit“ Schritte hin zu mehr Verletzlichkeit liebevoll und mit vielen Beispielen aufbereitet, hat mir ihr zweites Buch noch etwas besser gefallen. Vielleicht lag dies auch an dem Zeitpunkt zu dem ich dieses Werk gelesen habe. Ich habe anhand des Buches einige persönliche Themen vor allem im Zusammenhang mit romantischen Beziehungen für mich bearbeitet. Besonders schön finde ich an der ganzen Arbeit von Brené Brown, dass Verletzlichkeit ein essentieller Baustein für eine liebevolle und empathische Gesellschaft sein kann und sie dieses Thema aus wissenschaftlicher als auch persönlicher Perspektive gekonnt bearbeitet. Wer noch nie von Brené Brown gehört hat, kann sich zum Einstieg auch ihren Ted-Talk anschauen!

Cover „Verletzlichkeit macht stark“ – Foto (c) Elena Beringer

Erich Fromm – Haben oder Sein

Das philosophische Werk von Erich Fromm ist für mich vor allem deswegen so spannend, weil es Ideen andenkt, die auch heute noch hochaktuell sind. Fromm diskutiert was wir im Leben brauchen, was ein gutes Leben ausmacht und warum unsere Gesellschaft so auf das „Haben“ ausgelegt ist und bietet damit vielerlei Gedankengänge, die auch für die heutigen Diskussionen hilfreich sein können.

Cover „Haben oder Sein“ – (c) Elena Beringer

Georg Milzner – Wir sind überall nur nicht bei uns

Ein Buch über Achtsamkeit und wie die heutige Gesellschaft uns in unserer Wahrnehmung prägt. Der Autor teilt hier Gedanken, was dies mit unserem Wohlbefinden und Beziehungen macht. Für mich war das Buch ein Spannendes zur eigenen Reflexion meines Handelns und Denkens.

Cover von „Wir sind überall nur nicht bei uns“ – Foto (C) Elena Beringer

Elena Favilli und Francesca Cavallo – Good Night Stories for Rebel Girls

Dieses wunderschöne Gute-Nacht-Geschichten Buch präsentiert 100 außergewöhnliche Frauenvorbilder auf je zwei Seiten. Zahlreiche Künstlerinnen ergänzen die kurzen Texte mit kunstvollen Illustrationen. Ich lese wirklich gerne immer wieder in diesem Buch, da die Geschichten endlich Frauenwege zeigen, die vielseitiger, mutiger, kreativer, turbulenter, beeindruckender nicht sein könnten. So viel Inspiration, die vor allem für Mädchen eine gute Alternative zu den Prinzessinnen-Märchen sein kann! Meine Lieblingsfrauen aus den Büchern kannte ich davor nicht. Passenderweise sind beide rothaarige Piratinnen. Vielleicht war ich in einem früheren Leben ja auch mal Piratin 😀 !

Cover „Good Night Stories for Rebel Girls“ – Foto (c) Elena Beringer

Ann-Marlene Henning und Tina Bremer-Olszewski – Make Love

Aufklärung in Sachen Sexualität habe ich bereits schon sehr früh durch ein anderes tolles Buch, das ich von meiner Mama bekommen habe, erfahren. Dieses Aufklärungsbuch bereitet das Thema aber nochmal passend für Jugendliche und Erwachsene unaufgeregt und anschaulich auf. Besonders gefallen mir die zahlreichen Grafiken zu Themen wie Verhütung, ab wann darf man in welchen Ländern Sex haben, heiraten etc. oder zu Schwangerschaft. Toll finde ich auch die Fotos von den unterschiedlichsten, echten Paaren (auch queere Paare sind abgebildet). Es wird ein realistisches Bild von Sexualität vermittelt. Sehr zu empfehlen!

Buchtitel Make Love – Foto (c) Elena Beringer

Bea Johnson – Zero Waste Home

Die „Bibel“ für alle ZeroWaster*innen – auf zahlreichen Seiten erzählt die Pionierin in Sachen ZeroWaste Bea Johnson von ihren Erfahrungen, teilt Rezepte für fast alles, was man brauchen könnte und beschreibt Schritt für Schritt wie man ZeroWaste im Privaten umsetzten kann. Ich verwende das Buch sehr gerne als Nachschlagewerk und es hat mir mit vielen Anregungen den Einstieg in das Thema massiv erleichtert. Die 5 R´s, die ich auch in meinem aller ersten Beitrag gelistet habe, stammen zum Beispiel auch von ihr.

Foto (c) Elena Beringer

Ich wünsche Euch ganz Viel Spaß beim Lesen! Schreibt mir doch auch gerne eure Lieblingsbücher in die Kommentare. Auch ich brauche immer wieder neuen Lesestoff 😉

Schönen Sommer,

Eure Marolena 🙂


*Disclaimer: unbezahlte Werbung/Produktnennung und verlinkte Seiten

Gastbeitrag: Ein wenig Tropenwärme aus der Ferne

Gastbeitrag: Ein wenig Tropenwärme aus der Ferne

Wer mag es nicht, dieses Gefühl? Den Duft von Meerwasser in der Nase, die heiße Sonne auf dem Rücken, die Füße in weißen Sand gegraben und im Hintergrund die sanften Schwingen wedelnder Palmen. Es muss wohl der Gedanke an dieses Gefühl gewesen sein, der mich im Bioladen nach der Kokosnuss greifen ließ.

Sie war klein, rund und ich hoffte einfach mal, dass sie auch reif war.

Zuhause angekommen stellte ich sie etwas ratlos in der Küche ab.

Ich hatte sie, aber wusste nichts über sie! Wie knackt man eine Kokosnuss und was wollte ich dann überhaupt mit ihr machen?

Google lieferte mir hier, wie so oft, die Lösung. Ich legte mir also kurzentschlossen alles zurecht, was man laut Anleitung zur Bearbeitung der Nuss brauchte: Schraubenzieher, Hammer, Glas und Messer, schaltete mir feierliche Musik an und begann zwei Löcher, an der Seite, wo die Nuss 3 dunkle Abdrücke hat, zu bohren. Durch das eine Loch sollte man nun das Kokoswasser abgießen, das andere diente als Luftloch. Die Schrauberei dauerte eine ganze Weile und das abgießen des Wassers noch länger. Tropfen für Tropfen plätscherte das Wasser, wie es mir vorkam, in Zeitlupe in das Glas. Als es aufhörte, hatte sich ungefähr ein Schluck gesammelt. Erleichtert darüber, diesen Schritt überstanden zu haben, ging ich zum nächsten Manöver über: dem eigentlichen Knacken der Nuss, denn ich wollte ja an das weiße Fleisch kommen! Hierzu sollte ich mit dem Hammer entlang des „Äquators“ mindestens 3 Runden auf die Nuss hämmern! Zu diesem Zeitpunkt war ich froh, dass niemand in der Wohnung war, den ich hätte aufwecken können. Man könnte das natürlich auch genau planen und als Wecker für Familie, Mitbewohner, Nachbarn, … verwenden. Als Belohnung fürs Aufwachen kann man dann gleich mit frischem Kokosfleisch die Gemüter beschwichtigen! Ich hatte nun also rumorös meine vergrabenen Unzufriedenheiten in die Nuss geklöppelt und brachte es nun tatsächlich ganz einfach fertig sie auseinanderzunehmen. Es präsentierten sich mir zwei bilderbuchreife Kokoshälften. Überwältigt stand ich vor meinem Erfolg.

Zwei Kokoshälften © Aradetti

Und ganz plötzlich kam eine ungeheure Experimentierfreude über mich. Ich würde dieser Kokosnuss nicht nur einfach das Fruchtfleisch entnehmen. Nein! Ich würde alles, was möglich war, aus ihr herausnehmen. Mein erstes Projekt hierbei: Selbstgemachte Kokosmilch! Ob das wohl ging? Frische Kokosmilch, ohne Verpackung, ohne Zusätze und ohne Stücke? Ich präparierte mich mit meiner Küchenmaschine, schmiss die herausgetrennten, zerkleinerten Kokosstücke hinein, überschwemmte das Ganze mit Wasser und ließ das Gerät alles zu einer Masse zerstückeln. Die Kokosschalen hatte ich zur Seite gestellt, falls ich später noch etwas mit ihnen machen wollte.

Die milchige Masse, die ich nun hatte ließ sich selbstverständlich noch längst nicht mit der gekauften Kokosmilch vergleichen, ich musste sie filtern. Da mein Sieb in der WG gerade auf wundersame Weise verschwunden war, musste ich auf andere Mittel zurückgreifen: die French Press Kaffeemaschine! Kennt ihr die? Man füllt Kaffee hinein und drückt diesen dann hinunter? Es war die perfekte Idee und funktionierte fantastisch! Ein Glas, rein weiß und so frisch, wie es nur geht stand triumphal auf meinem Esstisch! Je nach Geschmack sollte man diese frische Milch dann noch mit Wasser verdünnen und eventuell mit Dattel, Agavendicksaft oder einem anderen Süßungsmittel versüßen, ODER: man bearbeitet das ganze gleich noch weiter. Mit zwei TL Johannisbrotkernmehl kann man ganz schnell einen Kokospudding zaubern, den man mit Zimt und Kakao oder mit Früchten unterziehen kann!

Kokospudding © Aradetti

Die Milch hatte ich nun also verarbeitet, übrig blieben mir das Püree aus der Maschine, eigentlich waren es richtige Kokosflocken, ein Teil davon war so gut passiert worden, dass es schon zu Kokosöl geworden war. Ich trennte also diese beiden Teile: frisches Kokosöl und Kokosflocken und beschloss daraus Kokosmakronen zu machen! Ich heizte also den Backofen auf 180° vor, schmierte das Backblech mit dem frischen Kokosöl ein, um kein Backpapier zu verwenden, schmiss die Kokosflockenmasse in eine Schüssel und überlegte, womit ich sie süßen sollte. Zufällig hatte ich eine Ananas im Haus und das schien mir die perfekte Kombination für meine Tropen-feeling-Bällchen zu sein. Ich entfernte also die Schale der Ananas, schnitt sie in Ringe und entfernte den Mittelstiel.

Aufgeschnittene Ananas © Aradetti

Zwei der Ringe überließ ich dann wieder der Küchenmaschine, den Rest gab ich in den Kühlschrank. Die passierte Ananasmasse mischte ich dann mit zwei TL Chiasamen (um die Masse zu binden) unter die Kokosflocken und begann Bällchen zu formen. Da sich die Masse sehr nass in meinen Händen anfühlte quetschte ich sie immer noch ein bisschen aus und drückte dann so lange an den Kugeln herum, bis sie eine einheitliche Form hatten. Insgesamt ergaben sich so 10 Kokosbällchen, die ich dann für ca. 15 Minuten in das Backrohr gab. Das Ergebnis war wunderbar. Wer das Ganze noch etwas veredeln möchte könnte in die Mitte der Masse eine Haselnuss geben und das Ganze noch mit dunkler Schokolade überziehen.

Kokosbällchen auf Blech © Aradetti
Kokosbällchen © Aradetti

Durch das Formen der Bällchen hatte ich wieder einigen Saft in der Schüssel übrig, den ich wieder in meine French Press gab, filterte und nun einen Kokos-Ananas-Saft hatte.

Vom Fleisch der Kokosnuss hatte ich nun wirklich alles verwendet! Übrig blieben mir nur die beiden Schalen, die mir absolut zu hübsch zum Wegwerfen waren!

Nach einigem Rumkramen fand ich etwas Schleifpapier in meinem Zimmer und machte mich daran, die haarige Außenseite und danach die Innenseite abzuschleifen, bis sich beides seidenweich und glatt anfühlte. Kurze Zeit später lagen zwei Kokosschüsseln vor mir, die eine allerdings mit zwei Löchern. Ich beschloss diese für meine Hausschlüssel zu verwenden und die andere als Servierschale für meine selbstgemachten Kokosmakronen.

Kokosschalen © Aradetti

Vollkommen frisch, absolut zero waste und ohne Zucker! Der Aufwand hatte sich gelohnt! Ich lehnte mich in meinem Sessel zurück und betrachtete selig mein Werk. Als ich die Augen schloss roch ich salzige Meerluft und tropische Früchte, hörte die Schreie von Südseevögeln und spürte die Wärme der Sonne. Es fühlte sich gut an im Urlaub zu sein!

Bon Appetit und schöne Träume!

Wünscht euch eure

Aradetti


Aradetti ist 22 Jahre alt, Studentin (um einen Brotjob zu haben), Naturliebhaberin und im Herzen Künstlerin. In ihrem Alltag begleiten sie immer ein Skizzenblock, eine Füll- und eine Tuschefeder, ein Notizbuch, ihr Fahrrad und hin und wieder ihre Kamera. Mehr Inhalte von „Aradetti“ findet ihr auf Instagram!

© Aradetti
Mit voller Vorstellungskraft voraus in eine nachhaltigere Welt

Mit voller Vorstellungskraft voraus in eine nachhaltigere Welt

Vor zwei Wochen war ich bei einem faszinierenden Vortrag mit anschließendem Workshop von Rob Hopkins. Das Thema war der Wandel zu einer nachhaltigeren Welt und wie wir den Weg dorthin beschreiten können.

Rob Hopkins ist Gründer des Transition Netzwerks. 2005 startete er mit einigen seiner Studierenden die Bewegung, die zuerst als die Transition Town Bewegung bekannt wurde. Transition Towns sind Städte, die sich partizipativ, zusammen mit der Gemeinschaft und der politischen Gemeinde zusammenschließen und Projekte unterschiedlichster Art umsetzen. Ziel ist es frei von fossilen Energieträgern zu leben, wieder lokaler zu produzieren und zu konsumieren und die regionale Wirtschaft und die Menschen vor Ort zu stärken. Das Miteinander steht im Mittelpunkt. Sich in der Nachbarschaft kennen lernen, das Gefühl haben wirklich eine Veränderung zu bewirken, neue Fertigkeiten lernen und die großen Herausforderungen (Klimawandel, soziale Ungleichheit, ökonomische Probleme etc.) anpacken, sind nur ein paar der Gründe, warum sich Transition Towns gründen. Mittlerweile gibt es weltweit in über 50 Ländern Transition Initiativen.

In seinem Vortrag am Sonntag den 31.3.2019 gehostet von Global2000 und organisiert vom RCE Vienna der WU Wien beschreibt Hopkins aber noch viel mehr als die Transition Town Bewegung. Er stellt insgesamt 9 Fragen, mit denen er die Vorstellungskraft von uns Menschen beflügeln und ein Bild von einer positiven Zukunft malen will. Da ich selbst in den letzten Jahren immer pessimistischer, aufgrund aktueller Ereignisse, politischer Rahmenbedingungen und Meldungen aus meinem Umfeld, geworden bin, berühren mich Rob Hopkins Worte ganz besonders. Immer wieder bekomme ich Tränen in den Augen, weil das Bild, das er zeichnet, so beeindruckend und erstrebenswert wirkt. Er spricht aus einer ganz anderen Perspektive, als das sonst sehr häufig in der Umweltdebatte der Fall ist. Bedrohliche Szenarien, Artensterben und Menschenleid weichen der Vorstellung von gemeinschaftlichen Räumen, mehr Natur, mehr Freiheit, mehr Lebensqualität und musikalischen, achtsamen und kreativen Menschen, die mit ihrer Umwelt in Einklang leben. Die Herangehensweise fasziniert mich! Nicht mehr zu fragen „was ist?“, sondern „was wäre wenn…?“ Die wichtigste Frage für mich aus dem Vortrag ist: „Was wäre, wenn sich alles zum Guten entwickelt?“ Der Ansatz andere Geschichten und Bilder zu erzählen, wenn wir über die Klimakrise und Umweltthemen sprechen, verändert auch die Wahrnehmung von uns Menschen und löst anstatt Stress das Gefühl aus, sich doch wieder etwas Angenehmes und Positives vorstellen zu können. Ich versuche mir mittlerweile mehr und mehr dieser Geschichten in mein Leben zu holen und würde mich auch freuen, wenn wir uns mehr zu positiven Beispielen zum Umgang mit dem Klimawandel, sozialer Ungleichheit oder ökonomischen Schwierigkeiten austauschen!

Rob Hopkins identifiziert für den Wandel einige wichtige Elemente wie einen spielerischen Zugang und generell mehr Spiel in unserem Leben, die Idee Vorstellungskraft als essentiell für unsere Handlungen zu sehen, diese auch in Schulen zu lehren und Politiker*innen zu haben, die die Kultivierung von Imagination priorisieren, mehr Zeit in der Natur zu verbringen und bessere Fragen zu stellen. Die Leichtigkeit, Kreativität und Flexbibilität in diesem Ansatz ist im Vortrag spürbar.

In dem anschließenden Workshop zeigt uns Rob Hopkins die Möglichkeiten der Vorstellungskraft gekonnt auf. Wir sollen alle die Augen schließen und uns eine Tür vorstellen. Diese Tür beginnt zu leuchten und wir machen einen Schritt nach vorne und treten durch die Tür in die Zukunft. Wie fühlt es sich dort an? Was sehen wir? Wie riecht es dort? Wer ist dort? Was können wir hören? Über unsere Sinne beschreiben unterschiedliche Teilnehmer*innen Eindrücke, die sie durch die Imagination sammeln konnten. Die Augen bleiben geschlossen und die Worte ergänzen das eigene Bild. Es riecht nach frisch geschnittenem Gras, die Vögel zwitschern, jemand kocht auf der Straße Chili für alle in der Nachbarschaft, Fahrräder bevölkern die Straßen, Kinder spielen zwischen Bäumen in der Stadt, die Luft ist angenehm zum Atmen, jemand macht Musik, die Energie kommt von der Sonne und anderen erneuerbaren Energieträgern, Lebensmittel werden in der Stadt angebaut und es gibt keine Autos rundherum, Tiere leben in der Stadt, es fühlt sich angenehm, warm und frei an…

Nachdem wir noch mit geschlossenen Augen Eindrücke geteilt haben, treten wir wieder einen Schritt zurück in die Gegenwart und öffnen diese langsam wieder. Die Gefühle zum Abschluss der Übung sind für mich gemischt. Es bleibt die bunte, lebendige und spielerisch, achtsame Vision aber auch eine Traurigkeit und Sorge, dass ich so eine Welt vielleicht nie erleben werde…

© Pine Watt via Unsplash

Übung: Ich möchte Euch an dieser Stelle einladen, ebenfalls diese stärkende Vorstellungsreise in die Zukunft zu machen. Vielleicht könnt ihr das ja auch mit Freund*innen gemeinsam machen und euch dann dazu austauschen.

Was bei mir in Erinnerung bleibt, ist das Wissen, dass in dem Workshop viele Visionen aufkamen, die manche Orte und Städte bereits umsetzten. Denn es sind keine futuristischen Vorstellungen wie aus Science Fiction Filmen, sondern alltägliche Handlungen und Änderungen, die zum Teil mit wenig Aufwand bereits existieren oder politischen und gesellschaftlichen Willen zur Umsetzung benötigen. Die Lösungen sind also schon da, jetzt ist es Zeit sie zu leben! Das erinnert mich auch an einen besonderen Film über eine nachhaltige Welt „Tomorrow – die Welt ist voller Lösungen“, der vielleicht auch ein paar von Euch inspirieren kann, und daran, dass es weltweit Menschen gibt, die in ihrem Bereich versuchen einen Unterschied zu machen.

Alles Liebe,

Eure Marolena <3


*Disclaimer: unbezahlte Werbung / verlinkte Seiten

Frauen auf der Straße

Frauen auf der Straße

Frauen, die sich in Obdachlosigkeit befinden, sind oft unsichtbar und wollen diese selbst oft aufgrund von Scham verstecken. Für Frauen, ist ein Leben auf der Straße besonders gefährlich und Frauen sind zum Beispiel in Wien stärker von Armut betroffen als Männer. Viele leben, wenn sie sich eine Wohnung nicht mehr leisten können, deshalb bei Freund*innen oder Verwandten, in temporären Einrichtungen oder zum Beispiel in Frauenhäusern. 2017 wurden in Österreich 21.567 Personen als Wohnungslos registriert (Sozialministerium 2018).

Das sind ein paar der Themen, die bei mir nach dem Spaziergang mit Sandra von Supertramps im Gedächtnis bleiben. Supertramps ist eine Organisation, die Stadtspaziergänge durch Wien mit Odachlosen anbietet und so Berührungsängste abbauen und die Sichtbarkeit dieser Menschen erhöhen will. Nach dem Spaziergang bleiben nach den ehrlichen und offenen Erzählungen von Sandra auch die Erkenntnisse über die vielen Zufälle, Hindernisse und Schicksale, die jemanden in die Obdachlosigkeit bringen können. Gründe für Obdachlosigkeit sind vielfältig, aber häufig, wie auch im Fall von Sandra, ist es der Verlust der Arbeit, Krankheit und dass man die Miete nicht mehr Zahlen kann. Alltägliche Hindernisse, die schnell eskalieren können.

Generell gibt es mehrere Varianten der Obdachlosigkeit:

  • Obdachlosigkeit: wird definiert als Zustand, bei dem man über keine Wohnung verfügt und im Freien oder in Notunterkünften übernachtet.
  • Versteckte Wohnungslosigkeit: Die Personen haben keine eigene Wohnung, da sie bei Freund*innen oder Verwandten unterkommen und/oder schlafen irgendwo auf der Couch. Häufig begeben sich Frauen hier aber auch in eigentlich nicht gewollte Beziehungen, um dort Unterschlupf zu finden. Aufgrund des Aussehens (halbwegs gut gekleidet, nicht schmutzig) wirken diese Personen nicht wohnungslos.
  • Wohnungslosigkeit: „Menschen, die in Einrichtungen wohnen, in denen die Aufenthaltsdauer begrenzt ist und in denen keine Dauerwohnplätze zur Verfügung stehen, wie z.B. Übergangswohnheime, Asyle und Herbergen, aber auch Übergangswohnungen“ (BAWO 2019, s.p.) Dazu zählen auch Frauen und Kinder, die aufgrund von Gewalt, in Schutzeinrichtungen beherbergt sind.
  • Ungesichertes Wohnen: man hat keine eigene Wohnung, kommt aber bei jemand anderem unter; illegale Hausbesetzungen; Menschen, die von einer Delogierung bedroht sind; Menschen, die zu Hause von Gewalt bedroht sind.
  • Ungenügendes Wohnen: Menschen, die in Wohnungen leben, die für ein konventionelles Wohnen nicht geeignet sind (z.B. Gebäude vor dem Abbruch, Wohnwägen, Zelte, Garagen, Keller, Dachböden, überfüllte Räume)
Sandra erzählt von ihrer Kindheit

Sandra erzählt auf dem Spaziergang durch den zweiten Bezirk von Wien von mehreren Stationen ihres Weges und führt durch ein vielseitiges Leben. Ich möchte hier nicht ihre Erlebnisse berichten, da ich der Meinung bin, dass Sandra diese jemandem selbst erzählen sollte. Was aber bleibt ist, der Eindruck einer mutigen, neugierigen, schlagfertigen Frau mit viel Wiener Schmäh´, die ihr eigenes Schicksal als Möglichkeit nimmt, anderen Frauen zu zeigen, dass sie es wieder aus der Obdachlosigkeit herausschaffen können, dass sie etwas erreichen können und dass durch gegenseitige Unterstützung und mit Humor eine Bewältigung von (traumatischen) Erlebnissen möglich ist. Ich habe es als besonders schön empfunden, dass Sandra aufgrund der Arbeit mit Supertramps nun wieder eine Wohnung gefunden hat und sich auch künstlerisch in einem Theater verwirklichen kann. Das Ziel von Supertramps Selbstvertrauen und Ermächtigung zu unterstützten sowie das in der Gesellschaft wieder Fuß fassen von den mitarbeitenden (ehemaligen) obdachlosen Menschen, kann man bei Sandra wunderbar als erfolgreich erkennen. Das Feedback, das Zuhören, Interesse und die Wertschätzung der Tour-Gruppe trägt hier auch zum Selbstwertgefühl und der Sichtbarkeit der Personen bei.

Sandra betont zudem immer wieder ihr Ziel, dass sie mit der Arbeit bei Supertramps einerseits das Thema der Obdachlosigkeit speziell von Frauen sichtbar machen, aber eben auch Frauen Mut machen möchte, immer wieder aufzustehen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Wichtig ist es hier die Scham zu überwinden und sich Hilfe zu holen. Davon gibt es besonders in Städten einige Angebote. Von der Caritas bis zu Frauenhäusern ist Vieles dabei. Hier liegt allerdings auch eine Schwierigkeit, da es so viele soziale Einrichtungen aber keine ausreichende Aufklärung auch für sozial Leistungen gibt. Es fehlt hier an Information, wo man sich am besten hinwenden soll. In Wien gibt es fünf Einrichtungen, die speziell für Frauen gedacht sind. Welche unterschiedlichen sozialen Institutionen es in Wien und Umgebung generell gibt, könnt ihr auch gut über den Wiener Sozial Podcast erforschen, wo in jeder Folge eine Organisation vorgestellt wird.

Besorgniserregend ist aufgrund der stärker armutsgefährdeten und von Gewalt bedrohten Frauen, dass die Regierung Türkis-Blau 2018 erneut Förderungen für Einrichtungen für Frauen, Beratung für Familien und Frauen etc. gestrichen hat. Angesichts dessen, dass Frauen generell mehr in Abhängigkeiten leben und mehr unbezahlte Arbeit leisten (Betreuung und Pflegeaufgaben) ist eine Streichung von Unterstützungen für Frauen im 21 Jhd. ein massiver Rückschritt.

Wenn ihr wie ich diesbezüglich aktiv werden wollt, gibt es meiner Meinung nach viele Möglichkeiten:

  • Sich selbst ein Bild machen, zum Beispiel bei einem Spaziergang mit Supertramps
  • Ehrenamtliche Mitarbeit in einer Einrichtung oder Sach- oder Geldspenden
  • Demonstration gegen die Aktionen der Regierung Türkis-Blau zum Beispiel am 15. Oder 16. März 2019
  • Unterstützung der Menschen aus dem Umfeld, damit diese gar nicht erst in eine ähnliche Situation kommen

Alles Liebe,

Eure Marolena 🙂


Supetramps Tour von Sandra

Header: © Unsplash Andreea Popa

*Disclaimer: ich wurde zur Führung mit Sandra von Supertramps eingeladen, der Beitrag ist aber nicht finanziell gesponsert!

Werbung, weil Links / nicht gesponsert


Weiterführende Links und Quellen:


Hier findet man Einrichtungen für Wohnungslose Menschen: https://www.caritas.at/aktuell/kampagne/armut-in-oesterreich/obdachlosigkeit/

http://www.frauenhelpline.at/

https://www.frauenhaeuser-wien.at/

https://www.wien.gv.at/gesellschaft/obdachlosigkeit/

BAWO 2019: http://www.bawo.at/de/content/wohnungslosigkeit/definitionen.html

http://www.bawo.at/de/content/wohnungslosigkeit/frauen.html

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/183352/umfrage/meinung-zu-den-gruenden-fuer-obdachlosigkeit/

https://wien.orf.at/news/stories/2609589/

https://kontrast.at/frauenorganisationen/

Sozialministerium 2018: https://www.sozialministerium.at/cms/site/attachments/1/6/5/CH3434/CMS1546849856778/eingliederungsindikatoren_2017.pdf